dachshund silhouette in warm brown (#5a453d) standing alert, nose close to a simplified red-orange tick icon

Es gibt diese Februartage, an denen der Winter plötzlich nachgibt: Der Weg im Wald ist weich, an den Rändern steht Wasser in flachen Pfützen, und Dein Hund springt mit genau der Freude hinein, die Du ihm schwer verdenken kannst. Du atmest auf – endlich wieder raus, endlich wieder Licht. Und dann fällt Dir ein Satz ein, der gerade die Runde macht: „Parasitenschutz ab Februar – wegen Hasenpest und Leptospirose“. Klingt nach Alarmismus? Oder nach vernünftiger Vorsicht? Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen – und wird klarer, wenn man die beiden Krankheiten und die Rolle der Zecken sauber voneinander trennt.

Denn milde Winter verändern tatsächlich, wann wir über Parasiten und Infektionen nachdenken sollten. Nicht, weil der Kalender plötzlich gefährlicher wird, sondern weil Temperatur, Feuchte und Wildtieraktivität das Zusammenspiel von Zecken, Nagern, Hunden und Menschen verschieben können. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Was ist plausibel, was wird oft vermischt – und was kannst Du im Alltag wirklich tun, ohne in Daueranspannung zu leben?

Wenn der Winter mild ist: Zecken halten sich nicht an Monatsgrenzen

Die eingängige Botschaft „ab Februar“ ist als Merksatz verständlich, fachlich aber nur dann richtig, wenn man sie als wetterabhängig liest. Zecken werden nicht am 1. Februar kollektiv wach – doch schon einige milde Tage mit Temperaturen im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich können reichen, damit sie wieder aktiv werden. In Jahren, in denen es kaum längere Frostphasen gibt, verschiebt sich das Risiko von „Frühling bis Herbst“ hin zu „fast ganzjährig – mit Spitzen“, je nach Region und Mikroklima.

Für Dich als Hundehalter heißt das: Der Waldweg, die Wiese am Waldrand, die Böschung am Bach sind im milden Winter nicht automatisch harmlos. Gleichzeitig ist Panik fehl am Platz, denn Risiko ist nie gleichmäßig verteilt. Wer in städtischer Umgebung unterwegs ist und selten in hohem Gras oder Unterholz läuft, hat ein anderes Profil als der Hund, der täglich durch Wald, Wiesen und Wildwechsel streift.

Hasenpest (Tularämie): selten, aber ernst – und Zecken können mitspielen

Tularämie, oft „Hasenpest“ genannt, hat etwas Heimtückisches: Sie ist in Mitteleuropa insgesamt nicht häufig, kann aber sehr unterschiedlich verlaufen – von Fieber und geschwollenen Lymphknoten bis zu schwereren Formen, je nachdem, wie der Erreger in den Körper gelangt. Ihr natürlicher Hintergrund sind Wildtiere, besonders Hasen/Kaninchen und Nagetiere. Das macht sie zu einer typischen „Draußen-Krankheit“: Jagd, Landwirtschaft, Landschaftspflege, Arbeiten mit Heu/Erde – oder schlicht intensiver Outdoor-Kontakt können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, überhaupt in die Nähe des Erregers zu kommen.

Wichtig für die oft zitierte Februar-Logik: Zecken können bei Tularämie ein Übertragungsweg sein. Sie sind nicht die einzige Route – direkter Kontakt mit infizierten Tieren oder das Einatmen kontaminierter Staubpartikel können ebenfalls eine Rolle spielen – aber sie gehören in Europa zum Bild. Deshalb ist es plausibel, Tularämie in einer Zecken-Saison-Kommunikation mitzunennen, solange man nicht behauptet, die Krankheit sei „eine Zeckenkrankheit wie Borreliose“.

Für Deinen Hund bedeutet das vor allem: Je mehr er in Gebieten mit Wildtieraktivität unterwegs ist und je häufiger Du Zecken findest, desto sinnvoller ist es, das Thema Ektoparasitenschutz nicht erst im April zu starten. Und für Dich selbst gilt: Wenn nach Zeckenexposition oder Wildtierkontakt eine ungewöhnliche, anhaltende fiebrige Erkrankung entsteht, ist es hilfreich, beim Arzt/der Ärztin die Outdoor- und Tierkontakte aktiv zu erwähnen – nicht aus Angst, sondern weil solche Hinweise die Diagnostik beschleunigen können.

Leptospirose: eher Wasser und Urin – nicht primär Zecken

Leptospirose wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig in den gleichen Topf wie „Zeckenkrankheiten“ geworfen. Genau hier ist die sauberste Korrektur nötig: Leptospirose ist typischerweise keine zeckengetriebene Infektion. Der klassische Weg führt über Urin infizierter Tiere (vor allem Nagetiere wie Ratten und Mäuse), der in Wasser, Schlamm oder feuchten Boden gelangt. In der Praxis sind es daher eher Pfützen, Gräben, überschwemmte Wiesen, feuchte Baustellen, Stallnähe oder Uferbereiche, die das Risiko erhöhen – also genau jene Orte, die nach mildem Winter und nassen Perioden besonders häufig auftreten.

Für Menschen ist Leptospirose relevant, wenn Wasser oder Schlamm an kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute gelangt. Für Hunde ist sie aus zwei Gründen wichtig: Erstens trinken viele Hunde gern aus Pfützen und Tümpeln, zweitens können sie mit Nagerkot/-urin in Kontakt kommen, ohne dass wir es merken. Anders als beim Zeckenschutz spielt hier deshalb nicht der Zeitpunkt „ab Februar“ die Hauptrolle, sondern Dein Alltag: Wo läuft Dein Hund, woraus trinkt er, gibt es Nagerdruck in der Umgebung, seid ihr oft an Gewässern?

Und noch ein Punkt, der im Eifer der Schlagzeile gern untergeht: Bei Hunden kann eine Leptospirose-Impfung – je nach individuellem Risiko und verfügbarem Impfstoffschema – ein zentraler Baustein sein. Das ersetzt keine Vorsicht bei Wasser und Nagerkontakt, ergänzt aber die Schutzstrategie dort, wo Vermeidung allein im Alltag kaum realistisch ist. Sprich dazu am besten mit Deiner Tierärztin oder Deinem Tierarzt, weil Region, Lebensstil und Gesundheitsstatus (Alter, Vorerkrankungen) in die Empfehlung einfließen.

Was Du jetzt konkret tun kannst – ohne Dich verrückt zu machen

Wenn Du aus all dem nur eine Leitlinie mitnimmst, dann diese: „Früher Parasitenschutz“ ist dann sinnvoll, wenn das Wetter mild ist und Dein Hund entsprechend exponiert ist – aber Leptospirose löst Du nicht mit einem Zeckenmittel. Im milden Spätwinter lohnt es sich, den Hund nach jedem Wald- oder Wiesenlauf kurz abzutasten, vor allem an Kopf, Hals, Achseln und Leisten. Gleichzeitig kannst Du Dir angewöhnen, nach Spaziergängen an Gewässern oder durch schlammige Bereiche die Pfoten zu reinigen und kleine Verletzungen im Blick zu behalten.

Wenn Dein Hund ein Pfützen-Trinker ist, musst Du ihm nicht jeden Spaß verbieten – doch Du kannst Chancen verändern: lieber frisches Wasser mitnehmen, an kritischen Stellen schneller weitergehen, und in der Umgebung von Stallungen, Müllplätzen oder offensichtlichem Nageraufkommen besonders aufmerksam sein. Und falls Du mit Wildtieren in Kontakt kommst – etwa durch einen gefundenen Kadaver oder beim Aufbrechen von Wild – gilt: nicht ohne Schutz anfassen, im Zweifel Abstand halten und fachkundig melden/entsorgen lassen.

Am Ende ist die Februar-Botschaft vor allem ein sanfter Stups: Der Winter ist nicht mehr automatisch die parasitenfreie Pause, die wir früher kannten. Wenn Du Deinen Hund risikobasiert schützt – Zecken dort, wo Zecken realistisch sind, und Leptospirose dort, wo Wasser/Nager die eigentliche Bühne sind – bekommst Du etwas sehr Wertvolles zurück: gelassene Spaziergänge, auch wenn die Pfützen schon nach Frühling riechen.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf allgemeinem Fachwissen und dient der Einordnung. Regionale Empfehlungen und individuelle Prophylaxe (Produktauswahl, Impfungen) solltest Du mit Tierärztin/Tierarzt bzw. Ärztin/Arzt besprechen.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar